Projekt-Themen

Die folgenden Themen sind als eigenständige Mini-Projekte für studentische QGIS-Sitzungen gedacht. Sie unterscheiden sich nicht nur im Gegenstand, sondern vor allem in der zugrunde liegenden Konzeptualsierung: Mustererkennung, Sichtbarkeit, Zentralität, Überlagerung, Korridorbildung, Priorisierung, Interpolation, Maßstabsreflexion, Widerspruchsanalyse und Zeitvergleich.

Jedes Thema enthält eine konkrete Projektidee, eine knappe konzeptionelle Rahmung, eine möglichst realistische Einschätzung der Schwierigkeit sowie Hinweise auf verfügbare Datensätze und methodische Quellen.

1. Hotspots ohne Erklärung

  • Konkrete Idee: Wo häufen sich Fahrraddiebstähle, Müllablagerungen, Schäden oder andere punktförmige Vorfälle in einem Stadtteil oder auf einem Campus?

  • Konzeptidee: Das Projekt dient der deskriptiven Mustererkennung. Ziel ist nicht, Ursachen zu behaupten, sondern Cluster, Dichtezonen und räumliche Auffälligkeiten sichtbar zu machen.

  • Methoden: Punktdaten, Heatmap/KDE, Vergleich mit Wegen, Gebäuden, Haltestellen oder Nutzungsflächen.

  • Schwierigkeit: leicht

  • Warum: Technisch gut beherrschbar. Die eigentliche Schwierigkeit liegt in der disziplinierten Interpretation.

  • Datensätze / Quellen:

    • eigene Erhebung oder kommunale Open-Data-Punktdaten
    • OSM / Geofabrik für Wege, Gebäude, Haltestellen und POIs
    • QGIS-Dokumentation: Heatmap / Interpolation

2. Sichtachsen und tote Winkel

  • Konkrete Idee: Welche Bereiche eines Schulhofs, Parks oder Aussichtspunkts sind von ausgewählten Beobachtungspunkten aus sichtbar und welche systematisch abgeschirmt?

  • Konzeptidee: Sichtbarkeit wird hier als räumliche Ressource und Begrenzung verstanden. Das Thema eignet sich für Orientierung, Überblick, Kontrolle oder Abschirmung.

  • Methoden: DGM, Viewshed, Auswahl mehrerer Beobachtungspunkte, Überlagerung der Sichtfelder.

  • Schwierigkeit: mittel

  • Warum: Die Methode ist klar, aber nur dann überzeugend, wenn Beobachtungspunkte sinnvoll gewählt und die Grenzen der Höhendaten benannt werden.

  • Datensätze / Quellen:

    • Copernicus DEM
    • OSM / Geofabrik für Wege, Gebäude, Aussichtspunkte
    • QGIS / GDAL Viewshed-Dokumentation

3. Verlorene Mitte

  • Konkrete Idee: Welche Flächen auf einem Campus oder in einem Quartier liegen geometrisch zentral, bleiben funktional aber randständig?

  • Konzeptidee: Das Projekt untersucht die Differenz zwischen geometrischer Zentralität und tatsächlicher funktionaler Einbindung.

  • Methoden: Distanzanalyse, Erreichbarkeit, Wegebezug, Vergleich von Lage und Nutzung.

  • Schwierigkeit: leicht bis mittel

  • Warum: Konzeptionell stark, aber technisch noch recht übersichtlich.

  • Datensätze / Quellen:

    • OSM / Geofabrik für Wege, Gebäude, Eingänge, Platzflächen
    • eigene Kartierung von Nutzungsintensitäten oder Aufenthaltsorten
    • QGIS-Dokumentation: Network Analysis / Service Area

4. Räume der Überlagerung

  • Konkrete Idee: Wo überlagern sich mehrere Problemlagen, etwa Versiegelung, geringe Grünnähe, hohe Nutzungsintensität, geringe Aufenthaltsqualität oder Umweltbelastung?

  • Konzeptidee: Im Zentrum steht die Idee des mehrfach belasteten Raums. Relevant wird der Raum gerade dort, wo mehrere Indikatoren gleichzeitig problematisch werden.

  • Methoden: Standardisierung mehrerer Layer, Überlagerung, Summen- oder Konfliktindex, Kartierung von Verdichtungsräumen.

  • Schwierigkeit: mittel

  • Warum: Methodisch recht einfach, aber konzeptionell anfällig für Beliebigkeit, wenn die Layerwahl nicht sauber begründet wird.

  • Datensätze / Quellen:

    • Urban Atlas
    • OSM / Geofabrik
    • Copernicus DEM
    • optional zusätzliche Umwelt- oder Klimadaten aus offenen Portalen

5. Maßstab als Problem

  • Konkrete Idee: Wie verändert sich dieselbe Analyse, wenn sie mit gröberer oder feinerer Rasterauflösung bzw. auf unterschiedlichem Aggregationsniveau durchgeführt wird?

  • Konzeptidee: Das Projekt zeigt die Skalenabhängigkeit räumlicher Aussagen.

  • Methoden: Resampling, Aggregation, mehrfache Berechnung desselben Workflows, Differenzanalyse.

  • Schwierigkeit: hoch

  • Warum: Rechentechnisch nicht extrem, aber intellektuell anspruchsvoll. Gute Gruppen können hier sehr sauber zeigen, wie Ergebnisse vom Maßstab abhängen.

  • Datensätze / Quellen:

    • Copernicus DEM
    • Urban Atlas
    • OSM / Geofabrik
    • QGIS-Rasterwerkzeuge und Zonal Statistics

6. Räume, die sich widersprechen

  • Konkrete Idee: Wo treffen gegensätzliche räumliche Qualitäten zusammen, etwa gute Lage und hohe Belastung, grüne Umgebung und schlechte Zugänglichkeit oder hohe Sichtbarkeit und geringe Nutzbarkeit?

  • Konzeptidee: Das Thema untersucht Widerspruchsräume, also Räume, die sich nicht in einer einfachen Gut-Schlecht-Logik auflösen lassen.

  • Methoden: Kombination gegensätzlicher Indikatoren, Vergleich mehrerer Karten, Identifikation von Divergenzflächen.

  • Schwierigkeit: mittel bis hoch

  • Warum: Methodisch nicht extrem komplex, aber analytisch nur dann stark, wenn die Gegensätze sauber konstruiert werden.

  • Datensätze / Quellen:

    • OSM / Geofabrik
    • Urban Atlas
    • Copernicus DEM
    • optionale Umweltindikatoren aus offenen Quellen

7. Vorher–Nachher ein Klassiker

  • Konkrete Idee: Was hat sich zwischen zwei Zeitständen räumlich tatsächlich verändert, etwa vor und nach Umgestaltung, Neubau oder Flächennutzungsänderung?

  • Konzeptidee: Ziel ist eine nüchterne Differenzanalyse, nicht eine vorgefertigte Aufwertungs- oder Fortschrittserzählung.

  • Methoden: Overlay zweier Zeitstände, Differenzkarten, Flächenbilanz, Prüfung von Vergleichbarkeit und Unsicherheit.

  • Schwierigkeit: mittel bis hoch

  • Warum: Gut machbar, wenn zwei belastbare Zeitstände vorliegen. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Vergleichbarkeit, nicht in der Softwaretechnik.

  • Datensätze / Quellen:

    • Urban Atlas mit mehreren Zeitständen und Change-Layern
    • OSM / Geofabrik als ergänzender Vektorkontext
    • lokale Luftbilder oder kommunale Open-Data-Zeitstände

8. Korridore statt Punkte

  • Konkrete Idee: Wo verläuft ein möglichst konfliktarmer, barrierearmer oder landschaftsschonender Verbindungskorridor zwischen zwei Orten?

  • Konzeptidee: Statt eines besten Punktstandorts wird hier ein geeigneter Verlauf gesucht. Das Thema eignet sich für Wege, Grünverbindungen oder ruhige Verbindungsräume.

  • Methoden: Kostenfläche, Least-Cost Path oder Korridor, Ausschlussflächen, Variantenvergleich.

  • Schwierigkeit: mittel bis hoch

  • Warum: starkes vielseitiges Thema, aber die Kostenoberfläche muss plausibel und transparent konstruiert werden.

  • Datensätze / Quellen:

    • OSM / Geofabrik für Wege, Barrieren, Straßen, Gewässer
    • Copernicus DEM für Steigung
    • Urban Atlas für Nutzungs- und Ausschlussflächen
    • GRASS / QGIS-Processing für kostenbasierte Raster-Workflows

9. Rangfolgen unter Ressourcenknappheit

  • Konkrete Idee: Wenn nur drei Flächen entsiegelt, begrünt, beschattet oder aufgewertet werden können: Welche sollten zuerst gewählt werden?

  • Konzeptidee: Das Projekt behandelt Priorisierung unter Ressourcenknappheit. Es geht nicht nur um Eignung, sondern um echte Auswahlentscheidungen.

  • Methoden: Kriterienbildung, Gewichtung, Ranking, Priorisierung, Vergleich alternativer Auswahlregeln.

  • Schwierigkeit: hoch

  • Warum: Nicht primär technisch schwer, aber argumentativ anspruchsvoll. Die Priorisierungslogik muss offen und belastbar sein.

  • Datensätze / Quellen:

    • Urban Atlas
    • OSM / Geofabrik
    • Copernicus DEM
    • methodische Orientierung über Suitability- und Priorisierungsworkflows in QGIS

10. Interpolation und Unsicherheit

  • Konkrete Idee: Wie verändert sich ein interpoliertes Temperatur-, Luftqualitäts- oder Lärmfeld, wenn Verfahren, Parameter oder Punktdichte variiert werden?

  • Konzeptidee: Flächenwerte werden hier als Schätzung unter Unsicherheit verstanden, nicht als objektive Wahrheit.

  • Methoden: Punktdaten, IDW oder TIN, Variantenvergleich, Fehlervalidierung oder Plausibilitätsprüfung.

  • Schwierigkeit: hoch

  • Warum: Sehr gutes wissenschaftliches Thema, aber stark abhängig von der Qualität und Dichte der Punktdaten.

  • Datensätze / Quellen:

    • eigene Messdaten
    • OpenAQ für Luftqualitätsdaten
    • QGIS-Dokumentation: Interpolation / IDW / TIN

Gemeinsame Basisquellen

Methodische Quellen

Datensätze

Hinweise zur Themenwahl

Die Themen bilden unterschiedliche räumliche Denkformen ab:

  • Muster erkennen
  • Sichtbarkeit analysieren
  • funktionale Mitte hinterfragen
  • Problemlagen überlagern
  • Korridore modellieren
  • Prioritäten setzen
  • Unsicherheit in Interpolation prüfen
  • Maßstab reflektieren
  • Widerspruchsräume identifizieren
  • Veränderungen vergleichen