Thematische Abfragen

Thematische Abfragen führen zu einer Auswahl von Geoobjekten auf Grundlage ihrer Attributwerte. Es handelt sich also um nicht raumbezogene Abfragen, bei denen nicht die Lage, sondern die in der Attributtabelle gespeicherten Eigenschaften der Objekte ausgewertet werden. Typische Fragen sind zum Beispiel: Welche Parzellen sind mit Lärche bewaldet? oder Welche Parzellen haben einen Vorrat über 110 m³/ha?

In QGIS werden solche Abfragen in der Regel nicht über klassisches SQL, sondern über den Ausdruckseditor formuliert. Dabei werden Attributfelder, Vergleichsoperatoren und logische Verknüpfungen kombiniert. Die Ergebnisse erscheinen konsistent in Karte und Attributtabelle.

Grundprinzip thematischer Abfragen

Die folgenden Beispiele beziehen sich auf einen kleinen Beispieldatensatz aus Parzellengeometrie und Attributtabelle. Die Abfragen prüfen jeweils bestimmte Attributwerte und markieren diejenigen Objekte, die die formulierte Bedingung erfüllen.

Abbildung 03-04: Grundprinzip thematischer Abfragen in QGIS. Geoobjekte werden anhand ihrer Attributwerte ausgewählt; sichtbar wird die Auswahl zugleich in der Karte und in der Attributtabelle.

Von der fachlichen Frage zur QGIS-Abfrage

Der zentrale Schritt besteht darin, eine fachliche Frage in eine formale Bedingung zu übersetzen. Dazu müssen zunächst die relevanten Attribute identifiziert werden. Anschließend wird daraus ein passender Ausdruck formuliert.

Beispielsweise wird aus der Frage Welche Parzellen sind mit Lärche bewaldet? die Bedingung:

"Baumart" = 'Lärche'

Eine komplexere Frage wie Welche Parzellen sind mit Lärche bewaldet und haben einen Vorrat über 110 m³/ha? erfordert dagegen zwei Bedingungen und eine logische Verknüpfung:

"Baumart" = 'Lärche' AND "Vorrat_m3_ha" > 110

Die folgende Abbildung zeigt diesen Weg systematisch – von der fachlichen Frage über die benötigten Attribute und Bedingungen bis zur eigentlichen Auswahl in Karte und Tabelle.

Abbildung 03-05: Von der fachlichen Frage zur QGIS-Abfrage. Die Abbildung zeigt, wie aus einer inhaltlichen Fragestellung schrittweise passende Attribute, Bedingungen und QGIS-Ausdrücke abgeleitet werden.

Vergleichsoperatoren

Vergleichsoperatoren prüfen einzelne Attributwerte. Sie bilden die Grundlage jeder thematischen Abfrage.

Typische Vergleichsoperatoren in QGIS sind:

  • = gleich
  • <> ungleich
  • > größer als
  • < kleiner als
  • >= größer oder gleich
  • <= kleiner oder gleich

Beispiele:

  • "Baumart" = 'Fichte'
  • "Bodentyp" = 'Redzina'
  • "Vorrat_m3_ha" > 120

Mit diesen Operatoren lassen sich einfache thematische Abfragen direkt formulieren. Sie prüfen immer genau eine Bedingung.

Logische Operatoren

Sobald mehrere Bedingungen gemeinsam ausgewertet werden sollen, kommen logische Operatoren ins Spiel. Sie verknüpfen einzelne Aussagen zu komplexeren Auswahlregeln.

AND

AND bedeutet: Beide Bedingungen müssen erfüllt sein.

Beispiel:

"Baumart" = 'Lärche' AND "Vorrat_m3_ha" > 110

Diese Abfrage wählt nur solche Parzellen aus, die gleichzeitig Lärchenbestände sind und einen Vorrat über 110 m³/ha haben.

OR

OR bedeutet: Mindestens eine der Bedingungen muss erfüllt sein.

Beispiel:

"Baumart" = 'Lärche' OR "Vorrat_m3_ha" > 110

Damit werden alle Parzellen ausgewählt, die entweder Lärche tragen oder einen Vorrat über 110 m³/ha besitzen.

NOT

NOT negiert eine Bedingung.

Beispiel:

NOT ("Bodentyp" = 'Redzina')

Diese Abfrage wählt alle Parzellen aus, deren Bodentyp nicht Redzina ist.

XOR

XOR bedeutet: Genau eine der beiden Bedingungen ist erfüllt, aber nicht beide gleichzeitig.

Beispiel:

(("Baumart" = 'Lärche') OR ("Vorrat_m3_ha" > 110)) AND NOT (("Baumart" = 'Lärche') AND ("Vorrat_m3_ha" > 110))

Didaktisch ist XOR nützlich, um exklusive Auswahlregeln zu verdeutlichen. In der Praxis wird häufiger mit Kombinationen aus AND, OR und NOT gearbeitet.

Die folgende Abbildung fasst die wichtigsten logischen Operatoren in QGIS zusammen und zeigt ihre Wirkung auf die Auswahl.

Abbildung 03-06: Logische Operatoren in QGIS. AND, OR, NOT und XOR verknüpfen Bedingungen auf unterschiedliche Weise und erzeugen dadurch jeweils andere Auswahlen in Karte und Attributtabelle.

Klammern und Prioritäten

Bei komplexeren Abfragen ist die Reihenfolge der Auswertung entscheidend. Klammern legen fest, welche Bedingungen zuerst zusammengefasst werden. Ohne Klammern kann derselbe Ausdruck zu einem anderen Ergebnis führen.

In QGIS gilt für logische Operatoren in der Regel folgende Priorität:

  1. NOT
  2. AND
  3. OR

Deshalb sollte bei kombinierten Ausdrücken mit mehreren logischen Operatoren möglichst immer mit Klammern gearbeitet werden.

Beispiel:

  • Ohne Klammern:
    "Baumart" = 'Lärche' AND "Vorrat_m3_ha" > 110 OR "Bodentyp" = 'Podzol'

  • Mit Klammern:
    "Baumart" = 'Lärche' AND ("Vorrat_m3_ha" > 110 OR "Bodentyp" = 'Podzol')

Beide Ausdrücke sehen ähnlich aus, führen aber nicht zwingend zur selben Auswahl.

Kernpunkt

Thematische Abfragen in QGIS bestehen nicht einfach aus „Befehlen“, sondern aus der Übersetzung fachlicher Fragen in Attributbedingungen und logische Verknüpfungen. Entscheidend ist daher, die Abfrage inhaltlich sauber zu formulieren und das Ergebnis anschließend in Karte und Tabelle zu kontrollieren.

Übung

Betrachten Sie den folgenden QGIS-Ausdruck:

("Überschirmung" > 80 AND "Vorrat_m3_ha" > 110) OR "Baumart" = 'Lärche'

  • Wie viele Vergleichsoperatoren können Sie identifizieren?
  • Wie viele logische Operatoren kommen vor?
  • Formulieren Sie den Ausdruck in eine normale fachliche Frage um.
  • Welche Objekte würden ausgewählt: nur sehr dichte Bestände, nur Lärchenbestände oder eine Kombination aus beidem?
  • Wie würde sich das Ergebnis ändern, wenn zusätzliche Klammern gesetzt würden?